Ein kurzer Blick auf die Vereinsgeschichte
[von Karl Niebaum u. Heinrich-Karl Schmitz, ergänzt von Wolfgang Linde]
Gründung nach dem 1. Weltkrieg
Der SV Welper gehört zu den wenigen Vereinen, die älter als der Schachbezirk sind. Denn schon 1922, in schwieriger Zeit, wenige Jahre nach dem 1. Weltkrieg, trafen sich in Welper in einer Gaststätte einige Schachbegeisterte, die sich zur Gründung eines Vereins zusammenschlossen.
Arbeitersportbewegung
Welper, damals noch selbständig, heute ein Ortsteil von Hattingen, war eine ausgeprägte Arbeitersiedlung, abhängig von der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Henrichshütte. Es war daher selbstverständlich, dass sich der neu gegründete Schachverein - ähnlich wie Turm Bochum-Hamme - der Arbeitersportbewegung anschloss.
Der erste Vorsitzende
Zum ersten Vorsitzenden wurde Alfred Walter gewählt, Spielleiter wurde Otto Möller, der bald einer der bekanntesten Spieler im Bochumer Raum wurde. Noch in den siebziger Jahren besuchte er den Vereinsabend.
Millionen für ein Schachspiel
Eigenes Spielmaterial besaß der junge Verein in dieser ersten Zeit noch nicht. Unter großen persönlichen Opfern mussten die ersten Uhren und Figuren angeschafft werden. 1923 erreichte die Inflation ihren Höhepunkt, der passive Widerstand gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich brachte die Produktion der Henrichshütte zum Stillstand. Viele Arbeiter wurden entlassen. Ein Schachspiel muss damals „Millionen" gekostet haben. Doch trotz der schwierigen äußeren Umstände nahm das Vereinsleben regen Aufschwung. Die dunklen Jahre ab 1933 brachten, wie für alle Vereine der Arbeitersportbewegung, auch für den SV Welper Unterdrückung und Repression. Gleichgeschaltet und ausgebombt - die Vereinsgaststätte war ein Opfer der Luftangriffe geworden -, kam der Spielbetrieb 1940 zum Erliegen. Doch schon bald nach der Stunde Null trafen die übrig gebliebenen Schachfreunde wieder zusammen, das Spielmaterial wurde aus den Trümmern des Vereinslokals geborgen, das Training konnte wieder beginnen. Der Verein entwickelte sich prächtig, es konnten eine zweite und sogar eine dritte Mannschaft gemeldet werden.
Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg
Im Jahre 1956 übernahm Helmut Gräbe das Amt des 1. Vorsitzenden, das er mit kurzer Unterbrechung bis 1988 innehatte. Unter seiner Führung wurde Welper der größte Verein im Schachbezirk Bochum. Großen Anteil an dieser Entwicklung hatte Guido Leimkühler, der 1971 mit dem Aufbau einer Jugendabteilung begann. Schon bald brachte seine unermüdliche Arbeit dem Verein mehr als 30 jugendliche Mitglieder. Bis zu drei Jugendmannschaften nahmen am Spielbetrieb teil. Die Erfolgsserie führte über Verbands- und Regionalliga bis auf NRW-Ebene. Als Beispiele für hervorragend starke Spieler, die aus der eigenen Jugend hervorgingen, seien das Ehrenmitglied IM Norbert Sehner, der Spitzenspieler der ersten Jugendgeneration Jürgen Meier und der gegenwärtige Spitzenspieler aus der Verbandsligamannschaft und Nato-Meister 1985 Guido Kemna erwähnt.
Wurzeln der Jugendförderung
Als Guido Leimkühler Ende der achtziger Jahre Aufgaben im Bezirk und Verband übernahm, folgte ihm im Verein als Jugendleiter Paul Linde. Mit großem Engagement sorgten er und sein Sohn Wolfgang dafür, dass Welper im Schachbezirk Bochum zu den Vereinen mit der größten Jugendabteilung gehört.
Senioren NRW-Liga
Die Erwachsenen standen den Jugendlichen nicht nach. In den siebziger Jahren gelang es der 1. Mannschaft nach dem Beitritt Sprockhöveler Spitzenspieler bis in die NRW-Liga vor zustoßen und damit den SV Welper zu einem der höchstklassigen Sportvereine in Hattingen zu machen.
Spitzenspieler aus eigenem Nachwuchs
Fast immer wurde das 1. Brett mit einem Spieler aus eigenen Reihen besetzt, wie dem viel zu früh verstorbenem Günter Kleefeld oder später Karl-Heinz Demuth und Norbert Sehner. In der vergangenen Saison 2000/2001 konnte in der Verbandsliga der 2. Platz erreicht werden. In der Bezirksoberliga ist in der laufenden Spielzeit Welper mit der 2. und 3. Mannschaft vertreten.
Zehn Mannschaften
Maximal meldete der Verein zehn Mannschaften, sieben bei den Senioren und drei bei der Jugend. Nach dem Jubiläumsjahr 1972 begannen unter dem Vorsitz von Helmut Gräbe die Glanzjahre des Vereins. Zusammen mit Kassierer Dieter Watzka, Geschäftsführer Friedel Weller und den Spielleitern Ernst Dittmann, Wolfgang Fleischmann und Kurt Schlapper konnten in der Aula der Realschule Welper zahlreiche Großveranstaltungen durchgeführt werden. Viele Helfer, an erster Stelle der unvergessene Otto Pröpper, trugen zum Gelingen bei. Es begann mit der Verbandsmeisterschaft 1974, die das aus Berlin zurückgekehrte Vereinsmitglied Karl-Heinz Demuth gewinnen konnte.
Deutsche Blitzmeisterschaft
Weitere Verbandsmeisterschaften, eine Deutsche Blitzmeisterschaft sowie zahlreiche Sonderveranstaltungen wie das Deutsche Fernschachtreffen brachten dem SV Welper als Ausrichter einen guten Ruf ein.
Pfingstblitzturnier
Im Laufe der Jahre erfreute sich das Pfingstblitzturnier zunehmender Beliebtheit wegen der familiären Atmosphäre und guten Spielbedingungen. Weit über 200 Spieler fanden am Pfingstmontag den Weg nach Welper.
Karnevalverein
Von Anfang an spielte die Geselligkeit beim SV Welper eine besondere Rolle, und das nicht nur im Verein, sondern auch in der Öffentlichkeit. In den fünfziger Jahren wurden die ersten Rosenmontagszüge in Welper vom Schachverein gestaltet. Auf den Altstadtfesten in Hattingen war der Verein mit einem Stand vertreten, ebenso wie 1996 auf dem Weihnachtsmarkt in Welper. Gemeinsame Turnierteilnahmen, Schachfreizeiten und Urlaube sind bis heute an der Tagesordnung.
Jubiläum zu 50. Jahre SV Welper
Aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens waren 1972 die Bochumer Vereine zu einem festlichen Abend nach Diergardt ins Ludwigstal eingeladen.
Scheunenfeste auf Drenhausen
Vielen Bochumer und Wittener Schachfreunden werden auch die Scheunenfeste auf Drenhausen bei Uli Därmann bekannt sein.
Veranstaltungen und Vereinsfahrten
Eine Reihe von geselligen Veranstaltungen konnten dank Helmut Gräbe in der Realschule abgehalten werden. Jahrelang traf man sich auch dort regelmäßig montags zum Tischtennis, um gleichzeitig auch die Mannschaftsergebnisse des Vortages durchzusprechen. Vereinsfahrten nach Königswinter, Heidelberg oder Nettetal, Vergleichskämfe/Gedankenaustausch mit unseren Schachfreunden aus Lille/Frankreich, Jugendfreizeiten in Hachen, Sundern und Esborn hielten den Verein zusammen, brachten viele neue Ideen und last but not least viel Spaß. Seit Jahren ist es nun schon Tradition geworden, mit einer großen Delegation das Turnier des deutschsprachigen Belgischen Schachverbandes in Eupen zu besuchen.
Generationswechsel im Vorstand
Weihnachtsmarkt 1996 war der SV Welper erstmalig mit einem Stand auf dem Welperaner Weihnachtsmarkt vertreten.
Ein Einschnitt in der Vereinsgeschichte erfolgte 1988, als Helmut Gräbe sich nach der nochmals durchgeführten Verbandsmeisterschaft als Vorsitzender verabschiedete, um einen Generationswechsel einzuleiten. Nach Udo Teich, Hans-Helmut Olf, Bernd Bötzel leitete Dirk Leimkühler den Verein.
Streit um eine Dame
Im Jahr 2001 kam es zwischen einzelnen Mitgliedern zu tief greifenden persönlichen Differenzen wegen dem Beitritt einer Dame (die zwei Vorstandmitgliedern zugetan war), die letztlich dazu führten, dass eine Gruppe von sieben Spielern geschlossen zum Nachbarverein Hattingen abwanderte. In dieser schwierigen Situation übernahm Dieter Wallhof für drei Jahre das Amt des 1. Vorsitzenden. Trotz vier tragischer Todesfälle in dieser Zeit – Guido Opalka, Georg Krämer, Guido Leimkühler und Andreas Crell – gelang es Dieter Wallhof wieder Ruhe in den Verein zu bringen.
Neuausrichtung des Vereins
Seit 2004 hat Wolfgang Linde das Amt des ersten Vorsitzenden inne. Damit verbunden war eine grundsätzliche Änderung in der Organisation des Vereins. Nach entsprechender Satzungsänderung wurde der geschäftsführende Vorstand verkleinert und auch weiter verjüngt, um den neuen Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, besser gerecht zu werden.
Eingetragener Verein
Mit der Satzungsänderung erfolgte am 31.08.2004 die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Hattingen.
Mitarbeit im Schachkreis u. -bezirk
Für einen Großverein wie den SV Welper war es eine Selbstverständlichkeit, dass einige Mitglieder Funktionen im Bezirk und Verband übernahmen. Hier ist an erster Stelle wiederum Helmut Gräbe zu nennen, der viele Jahre im Vorstand des Schachbezirks mitarbeitete. Heute sind mit Guido Leimkühler (Jugendwart im Bezirk und Verband), Dirk Leimkühler (Vorsitzender des Schachkreises Hattingen) und Karl Niebaum (Kassierer seit 1979) drei Welperaner im Vorstand des Schachbezirks vertreten.
Vereinslokal
Wie vielen anderen Schachvereinen bereitete die Wahl des Spiellokals dem SV Welper immer wieder Sorgen. Allein in den letzten dreißig Jahren musste mehr als sechs Mal ein neues Spiellokal gesucht werden. Zum Schluss konnten in Welper keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden werden, so dass der Verein gezwungen war, in der Altenstube Emschestraße in der Hattinger Altstadt zu trainieren. Die Mannschaftskämpfe wurden vorübergehend im neu errichteten Museum in Blankenstein durchgeführt bis der Verein für seinen Spielbetrieb wieder in seinen Gründungsstadtteil, in die Verwaltungsstelle am Marktplatz von Welper, zurückkehren konnte.
Breitensport
Der SV Welper 1922 ist ein Verein, der sich eindeutig dem Breitensport verschrieben hat. Die 1. Mannschaft konnte zwar in den siebziger Jahren bis in die NRW-Liga vorstoßen, doch nach der Öffnung nach Osten, als zahlreiche Vereine sich durch Großmeister (natürlich Profis!) verstärkten, konnte dort aus eigenen Mitteln allein sportlich nicht mehr Paroli geboten werden. Da Welper sich entschieden hatte, ein gesundes Vereinsleben einer möglicherweise unsicheren Finanzierung vorzuziehen, war ein Abstieg in die Verbandsliga unvermeidlich. Der Verein hofft, sich dort mit Nachwuchs aus eigenen Reihen auf Dauer halten zu können.
Turbo für die Zukunft
Die Jugendabteilung! In unserem kurzen Abriss der Vereinsgeschichte sind zwei Namen schon ehrend erwähnt worden: Ab 1971 hat sich Heinz-Guido Leimkühler als Jugendleiter bleibende Verdienste um den Verein erworben. Auf der Welle der Begeisterung für den jugendlichen Schachheros Bobby Fischer konnte er durch aufopfernde Arbeit einen gewaltigen Entwicklungsschub für den Verein auslösen.
Neuaufbau der Jugend
Einen ähnlichen Kraftakt vollbrachte während seiner Tätigkeit als Jugendleiter in den Jahren von 1992 – 2000 Paul Linde. Er hatte es ohne „Fischer-Bonus“ etwas schwerer, leistete aber trotzdem Bewunderungswürdiges. Die Verdienste dieser beiden Schachfreunde kann man nicht hoch genug einschätzen, waren sie doch im wesentlichen als „Einzelkämpfer“ tätig, gegen Ende ihrer Tätigkeit jedoch unterstützt von ihren begabten Söhnen, die sie selbst trainiert hatten. Als die Jugendarbeit von Paul Linde auf jüngere Nachfolger überging, war uns allen klar, dass wir versuchen mussten, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Wir dürfen mit Stolz sagen, dass dies voll gelungen ist.
Erweiterung der Trainingsmannschaft
Unser junges Team mit dem 1. Jugendleiter Markus Borgböhmer und seinem Stellvertretern Jörg Krummsdorf wird von Fall zu Fall von stärkeren Spielern wie Füllgrabe, Linde, Wallhof, Dr. Schaller, u. a. m., unterstützt und ist mit Feuereifer bei der Sache. Ihre Aktivitäten haben einen verblüffenden Boom ausgelöst: Allein in der Zeit vom 1. Juni 2001 bis 31. März 2002, also in nur 10 Monaten, sind 16 neue Mitglieder unter 18 Jahren dem Verein beigetreten! Sie sehen – für Kontinuität ist gesorgt! Welper wird im Schachbezirk Bochum von keinem anderen Verein in der Größe der Jugendabteilung übertroffen. 40 von 92 Mitgliedern sind unter 20 Jahren alt – satte 43 %!
Seit dem Jahr 2006 sind nun fünf feste Trainer bei der Jugend aktiv: Markus Borgböhmer, Torsten Schaller, Tom Kitzmann, Thomas Füllgrabe und Wolfgang Linde. Dieser konsequente Einsatz wurde 2006 mit dem Aufstieg der 1. Jugendmannschaft in die NRW-Liga belohnt.
Schulschach
Schulschachturnier Auf dem Sommerfest 2004 traten die Schüler der Schach-AG der Gemeinschaftsgrundschule Börgersbruch gegeneinander an.
Weitere Talentsichtung und Förderung wird von Vereinsmitgliedern bei diversen Schulschach-AG´s betrieben. Hier haben sich die Mitglieder Dieter Wallhof, Karl Niebaum, Markus Borgböhmer und Holger Giebmanns mit großem persönlichem Einsatz hervorgetan.
Zum einen wurde an vier Schulen ein wöchentlicher Kurs im Rahmen der offenen Ganztagsbetreuung angeboten oder Partnerschaften eingegangen, bei denen der Verein Spiel- und Lehrmaterial besorgte und Eltern im Schachunterricht ausbildete.
Hattinger Schulschach-Cup
Eine der aufwendigsten Veranstaltungen richtete der Verein im Jahre 2005 aus: Der erste Hattinger Schulschach-Cup mit lebenden Schachfiguren vor dem Alten Rathaus. Zweiunddreißig als Schachfiguren verkleidete Kinder aus den Hattinger Schulen trugen vor großem Publikum eine Partie aus. Für den besonderen Rahmen sorgte unter anderem der Auftritt des Hattinger Fanfarenzuges.
Leider spielte am Ende das Wetter nicht so mit wie geplant und es konnten nich alle Partien des Wettkampfes gespielt werden. - Aber die trotz strömenden Regens ungebrochene Begeisterung bei den Kindern hat dem Verein bei Mitgliedern, Eltern, Zuschauern und der lokalen Presse viele Sympathiepunkte gebracht.
Grundschulmeisterschaften
Im darauffolgenden Jahr richtete der Verein den Hattinger Schulschach-Cup als offene Grundschulmeisterschaft (Kinder bis 12 Jahre) aus. In der Aula der Gesamtschule Welper kämpften einen Tag lang 72 Teilnehmer von 25 Schulen aus Hattingen und den angrenzenden Städten um Pokale und Urkunden. Die Teilnehmer lobten die hervorragenden Spielbedingungen in der Aula, sowie die pünktliche und schnelle Rundenauslosung. Für die Teilnehmer stand eine große Auswahl an Kaffee und Kuchen, Waffeln, Brötchen etc. bereit, welche zum großen Teil von Mitgliedern des SV Welper gespendet wurde.
Für den Verein ist dieses Turnier zu einer festen Institution geworden, dass nun jährlich ausgerichtet werden soll.
Zukunft viel versprechend
Da sich unter unseren ganz Jungen einige viel versprechende Talente befinden, können natürlich bei so viel Einsatz die Erfolge nicht ausbleiben.













